REGIONALER RÜCKENWIND FÜR WINDKRAFT

FREISTADT/MÖNCHDORF

Fundiert informieren – für Klarheit sorgen – Chancen aufzeigen – Beteiligungsmöglichkeiten vorstellen und damit Regionalen Rückenwind für den geplanten Windkraftausbau in Königswiesen / St. Georgen am Walde und in Sandl aufzubauen war das Ziel der Regios-Veranstaltungen in Freistadt und Mönchdorf. Über 400 BesucherInnen nutzten die Gelegenheit sich von Projektwerbern und eingeladenen ExpertInnen aus erster Hand über die aktuellen Projektstände zu informieren.

DIE FAKTOR 5 CHANCE

Gleich zu Beginn der Veranstaltung legte Dr. Sigrid Stagl – Wissenschaftlerin des Jahres 2024 - ermutigende Fakten auf den Tisch – nämlich die Faktor 5 Chance für die Region Freistadt.

Es bedarf konsequenter und sofortiger Investition in die Transformation der Energieversorgung – sprich in den Ausbau von Windrädern, Solaranlagen, Speichern, und der dafür notwendigen Infrastruktur. Jedes Nichthandeln wird hingegen enorme wirtschaftliche Verluste in der fünffachen Höhe der notwendigen Investition nach sich ziehen.

Um die Klimaneutralität in Österreich bis zum Jahr 2040 zu realisieren ist ein zusätzlicher Investitionsbedarf von 6,2 bis 10,9 Mrd. Euro jährlich nötig, was etwa 1,3% bis 2,4% des BIP entspricht. Diese Ausgaben wirken jedoch nicht primär als Kosten, sondern als starke makroökonomische Treiber für inländische Wertschöpfung und Beschäftigung. Dass die Jugend, dies längst erkannt hat untermauert die Ö3 Jugendstudie 2026. Ein Windrad in ihrer Umgebung finden demnach 78% der Befragten für gut „wir brauchen Strom und irgendwo müssen sie ja stehen“. Lediglich 22% halten Windräder in ihrer Umgebung für nicht gut „da sie die Landschaft verschandeln“.

Mutige Zielsetzungen und regionale Initiativen benennt die Wissenschafterin des Jahres als wichtigste Voraussetzungen für eine gelungene Transformation.

AKTUELLER VERFAHRENS-STAND WINDPROJEKTE

Im zweiten Informationsblock waren die Projektwerber Hubertus Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha (per Video), Benno Czernin Kinsky vom Forstgut Rosenhof sowie Planer Martin Krill am Wort. Sie informierten die Gäste über die aktuellen Projektkennzahlen, über die 30 kV-Erdkabel Stromableitung zu den Umspannwerken, über die geplanten Investitionen sowie zum laufenden UVP-Verfahren. Während in Sandl die öffentliche Auflage bereits in der KW 19 startete, wurde Königswiesen/St. Georgen am Walde in der KW 22 öffentlich aufgelegt. Läuft alles plangemäß, finden die mündlichen Verhandlungen im Oktober bzw. November 2026 statt. Hubertus Coburg würdigte per Videobotschaft das UVP-Verfahren als ein sehr gutes rechtsstaatliches Verfahren, in dem alle Parteien Pro & Contras einbringen können und diese auch

sachlich abgewogen werden. Sein Dank galt den BehördenvertreterInnen des Landes OÖ. für die professionelle Abwicklung.

Benno Czernin Kinsky vom Forstgut Rosenhof zeigte sich sehr erfreut, dass sich so viele Befürworter versammelt haben, sich für die Projekte interessieren und hinter der Windkraftnutzung stehen. Er betont, dass alle Untersuchungen, Einreichunterlagen den anerkannten wissenschaftlichen Methoden und Fakten entsprechen. Mit der Errichtung der Windparks würden Renaturierungsmaßnahmen, wie beispielsweise eine Biodiversifizierung des Baumbestandes sowie die Aktivierung von Moorgebieten einhergehen, ergänzte Martin Krill in seinen Ausführungen.

AUS DER REGION FÜR DIE REGION

Hubertus Coburg ergänzt, dass über die Beteiligungsmöglichkeiten von Regios sichergestellt wird, dass sich die BürgerInnen der Standortgemeinden, aber auch der ganzen Region am Windprojekt beteiligen können, sodass es auch ihr Projekt sein wird.

STROM BRAUCHT WEGE - AUSBAU DER ERNEUERBAREN WIRD SICHTBAR

Gernot Dobetsberger und Thomas Rechberger von der Linz Netz GmbH informierten die Gäste über aktuelle und geplante Umspannwerkausbauten im Versorgungsgebiet. Neben der Erweiterung der bestehenden Umspannwerke in Friensdorf und Rainbach sind Neuerrichtungen in Langbruck (Bad Leonfelden) sowie in Bad Zell/Pierbach laut dem gültigen Netzentwicklungsplan 2024 vorgesehen. Darüber hinaus gehen mit der Ableitung aus den geplanten Windparks Verstärkungen an den bestehenden 110 -kV-Leitungen sowie neue Ableitungen in Richtung Bad Leonfelden und Baumgartenberg einher.

AKTUELLE REGIOS-PROJEKTE SICHERN SYNERGIEN

Im nächsten Infoblock stellte Regios Vorstand Christian Neufeld exemplarisch 3 AGRI-PV-Projekte vor, die heuer noch umgesetzt werden und unterschiedlichste Synergien sichern. Auf einem Biogeflügelbetrieb in Naarn sorgt auf 3 ha Auslauffläche eine nachgeführte PV-Anlage für die vorgeschriebene Beschattung und den Raubvogelschutz. Die Ausrichtung der PV-Module wurde derart gewählt, dass die Pflege der Flächen mittels GPS-Basis gesteuerten Landmaschinen erleichtert wird. In Windhaag bei Freistadt ergibt sich aus der Erweiterung des bestehenden Windparks zum 1. Superhybrid-Kraftwerk Oberösterreich durch eine 2 MWp AGRI-PV-Anlage und einem Speicher eine bestmögliche Nutzung der Netzinfrastruktur. In Freistadt wirkt sich die mit der Errichtung einer 500 kWp PV-Anlage einhergehende Kostenplanbarkeit in der betrieblichen Stromversorgung positiv auf die Erweiterung einer Möbelproduktion aus. An produktionsfreien Tagen und Wochenenden können zukünftig E-LKW´s den betrieblichen Eigenversorgungsgrad aus der Anlage erhöhen. In Summe stehen 2026 bei Regios Investitionen in der Höhe von 5 Mio. Euro an. Bis 2030 beabsichtigt die

Genossenschaft rund 100 Millionen in PV-Anlagen – Windparks und Großspeicheranlagen zu investieren, so Vorstand Christian Neufeld.

REGIOS BÜRGERBETEILIGUNG – GEMEINSAM BLEIBENDES SCHAFFEN

In große Energieprojekte investieren - gemeinsam Bleibendes schaffen – in Generationen zu denken und damit für mehr Energieunabhängigkeit und Sicherheit sowie planbare Energiepreise zu sorgen, zählen zur DNA (zum Selbstverständnis) der Genossenschaft so Vorstand Norbert Miesenberger. Zum Vorbild nimmt sich Regios dabei die vor mehr als 250 Jahren gegründete Braucommune Freistadt, die sich im Eigentum der 149 Haus-BesitzerInnen der Innenstadt befindet.

Ziel von Regios ist es noch heuer die Anzahl der Genossenschaftsmitglieder auf 500 zu verdoppeln und über Genossenschaftsanteile à € 500,- und Genossenschafter-Darlehen (20 Jahre Laufzeit, 3,5% Zinsen,…) insgesamt 2,5 Mio. zu akquirieren und damit aus eigener Kraft eine Eigenkapitalquote von 50% für die oben angeführten Projekte zu sichern. Bis Ende 2028 will Regios rund 1.000 Mitglieder aus allen Gemeinden gewinnen. Beteiligungen sind einfach und digital unter www.regios.at möglich.

Regionaler Grünstrom kann von allen Bürgern, Betrieben und Gemeinden um 16,2ct/kWh brutto bezogen werden, Genossenschaftsmitglieder genießen einen Preisvorteil von 1,2ct/kWh.

ERMUTIGUNG VON RUDI ANSCHOBER

Der langjährige Wegbegleiter von Regios Rudi Anschober ermutigte AkteurInnen und BesucherInnen am eingeschlagenen Weg festzuhalten und diesen konsequent und mit Freude fortzusetzen. Die Region könne zum mehrfachen Gewinner werden, wenn sie – wie von ihm in seinem neuen Buch „ERMUTIGUNG“ beschrieben, an der großen Chance der Kraft der Gemeinschaft festhält und diese nutzt.

DIE STIMMUNG IN DEN GEMEINDEN UND DAS UVP-VERFAHREN

Der Großteil der Bevölkerung steht hinter den Projekten, natürlich gibt es auch Kritiker, so Bgm. Roland Gaffl aus Königswiesen und Heinrich Haider - Ortschef in St. Georgen am Walde. Beide sind froh, dass die umfangreichen Projektunterlagen vollständig sind, diese nach einem vierjährigen Prozess nun öffentlich aufliegen und inkl. Pro und Contras von Experten der OÖ. Landesregierung beurteilt werden. Bgm. Gerhard Neunteufel aus Sandl brachte die Gäste in Freistadt zum Schmunzeln, als er in gekonnt humorvoller Art und Weise berichtete, Kritikern hin und wieder zu entgegnen, dass er die in den Raum gestellten Behauptungen weder bestätigen noch dementieren könne, er sei schließlich kein Experte, gleichzeitig Kritikern aber auch entgegnet, dass auch diese wohl keine Experten seien. Zusammengefasst erleben die drei Ortschefs die laufenden UVP-Verfahren als aufwendige und langwierige, aber faire Verfahren auf dessen Ausgang sie gespannt - aber guter Dinge - harren.

Der in OÖ. zuständige Landesrat für die Abwicklung von UVP-Verfahren, Stefan Kaineder, bekräftigte in seinem Statement in der Messehalle Freistadt mit Argus-Augen darauf zu achten, dass die Verfahren fair, transparent und mit der nötigen Sorgfalt abgewickelt werden. Seiner Meinung nach ist es auf jeden Fall klüger in den Ausbau der Windenergie zu investieren, als weiterhin Devisenabfluss ins Ausland zu akzeptieren.

WIRTSCHAFT UND LANDWIRTSCHAFT

Dr. Thomas Denk von der WK Freistadt und Klaus Pichlbauer von Innovametall untermauerten die Wichtigkeit planbarer stabiler Energiepreise für die wirtschaftliche Entwicklung des Mühlviertels und den Wirtschaftsstandort Oberösterreich. Der regionale Ausbau erneuerbarer Energien und die speziell mit dem Windkraft-Ausbau einhergehende Strombereitstellung in den Wintermonaten schließt eine essenzielle Lücke in der regionalen Stromversorgung.

BBK-Obmann Martin Moser und Geschäftsstellenleiter Johannes Gahleitner wiesen in ihren Statements auf die Wichtigkeit der frühzeitigen Einbindung betroffener Grundstückseigentümer und deren Standesvertretung bei der Planung und Bau der Ableitungen von den Windparks hin. Es gilt bei Leitungsführungen die Entwicklungsmöglichkeiten der Höfe zu berücksichtigen und mit entsprechendem Weitblick und Sorgfalt vorzugehen. Grundsätzlich stehen auch die Vertreter der Landwirtschaft hinter dem regionalen Windkraftausbau.

MIA MÜHLVIERTLA SAN NED DEPPAT

Den emotionalen Abschluss der Veranstaltungen leitete Moderatorin Elisabeth Keplinger-Radler mit der Ankündigung „Film ab“ für den Imagefilm „MIA MÜHLVIERTLA SAN NED DEPPAT“ ein. Der Film zeigt, dass Regios viel mehr als ein weiterer Energieversorger ist. Regios ist ein IDENTITÄTS-PROJEKT im Mühlviertel in dem 250.000 Menschen leben, wohnen und zu Recht darauf stolz sind!

Mit interessanten Diskussionen bis Mitternacht wurde kräftiger regionaler Rückenwind für den Windkraftausbau aufgebaut.

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3. Energie-GESPRÄCH im gluatnest